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Geschichten aus der Praxis – Lehrkräfte als Anführer von Wandel

Wie wird Israel im Jahr 2048 aussehen? Das hängt von uns ab – den Lehrern!

Das vergangene Schuljahr war dasjenige, das meine Auffassung vom Unterrichten verändert hat. Zum ersten Mal konnte ich meine Träume erfüllen und als Lehrerin viel mehr tun, als ich jemals für möglich gehalten hatte. Der Prozess, den ich in diesem Schuljahr erlebte, ließ mich erkennen, dass die Macht, Realität zu verändern, in unseren Händen liegt − meinen eigenen und denen der Kinder. In diesem Artikel will ich Sie an dem Prozess teilhaben lassen, den ich in diesen Tagen als Lehrerin am Amirim-Gymnasium in Rishon LeZiyon erlebt habe. Es war ein wunderbarer Weg voller stärkender Erfahrungen.

Im September 2015 traten eine Gruppe von Schülern und ich als Vertreterin unserer Schule der Responsibilty-Israel-2048-Bewegung bei. Diese Bewegung wurde aufgrund der Erkenntnis gegründet, dass die israelische Gesellschaft einen Prozess sozialen und ethischen Verfalls erlebt. Die Bedeutung unseres nationalen Erbes ist für viele israelische Jugendliche − die Bürger von morgen – sehr abstrakt geworden. Sie sind gleichgültig und uninformiert. Schritt für Schritt verlieren sie ihre Verbundenheit mit diesem Land, ihrem nationalen Erbe, und seinen kulturellen und historischen Ursprüngen.

Responsibilty-Israel-2048 wurde von Yaron Jacobs gegründet, mit dem Ziel, die dargestellte Situation zu verändern und der Gefahr des besagten Verfalls entgegenzuwirken.

Die Bewegung hat sich folgende Ziele gesetzt:

  1. den Jugendlichen die Bedeutung von persönlichem Engagement im Leben von Staat und Gesellschaft und einen Sinn für öffentliche Verantwortung und Zugehörigkeit zu vermitteln;
  2. die Jugend dahingehend zu beeinflussen, aktiv, involviert und kritisch ihren Beitrag zu Gemeinschaft, Gesellschaft und Staat zu leisten;
  3. den Dienst an der Allgemeinheit wieder in einen erstrebenswerten und angesehenen Weg der persönlichen Entwicklung zu verwandeln und eine qualitativ wertvolle junge Generation für diesen Dienst auszubilden.

Nach unserem Beitritt zu dem Programm nahm ich mit vielen anderen Lehrern an einem Kurs zum Thema problembasiertes Lernen (PBL) teil, wo wir lernten, dieses pädagogische Modell als Teil des Programms von Responsibilty-Israel-2048 im Klassenzimmer umzusetzen. Die Lehrerschulung wurde von Tamir Gabai vom Israelischen Institut für Demokratie geleitet. In diesem so bedeutungsvollen und spannenden Lehrgang erwarb ich neue didaktische Tools und Methoden, die meine Lehrfähigkeiten auch in anderen Bereichen verbessert haben.

Im Rahmen unserer Schulung lernten wir das PBL-Modell kennen, ebenso wie zahlreiche unterschiedlichste Ideen dazu, wie dieses durch das Responsibilty-Israel-2048-Programm umgesetzt werden kann. Darüber hinaus schlossen wir Bekanntschaft mit dem Begriff »generativen Frage«. Dazu stellten wir Beispiele aus unseren praktischen Erfahrungen mit unseren Schülern vor und tauschten mit unseren Kollegen Feedback aus.

An unseren ersten Schritten mit dem Responsibilty-Israel-2048-Programm nahm auch dessen Gründer Yaron Jacobs teil und besuchte uns in der Klasse, um die Schüler kennenzulernen und sie zum Handeln zu inspirieren und zu motivieren.

Im Lauf des Schuljahres unterhielten wir jeweils eine Wochenstunde in der Klasse. Die Schüler lernten, vorhandene Probleme ihrer Heimatgemeinde zu erkennen und dachten darüber nach, inwiefern diese das Gemeinwohl beeinträchtigten. Dann wählten sie ein Problem aus, mit dem sie sich schwerpunktlich befassen wollten, erforschten es eingehend und erarbeiteten eine mögliche Lösung. Als die Lehrkraft, die an unserer Schule für die Projektleitung zuständig ist, habe ich die Schüler den ganzen Weg hindurch aktiv begleitet und angeleitet. Zu meiner Verblüffung waren diese jedoch ab dem Augenblick, wo sie ein Thema gewählt hatten, für das sie sich interessierten, so begeistert, dieses selbstständig zu erforschen, dass ihre Zusammenarbeit und ihr gemeinsames Bemühen um die Entwicklung von Lösungen absolut inspirierend waren.

Auf eine Reihe von Forschungsmethoden gestützt diskutierten die Schüler dann so lange, bis sie sich für ihren eigenen Handlungsplan und die beste Lösung für das definierte Problem entschieden hatten. Sie informierten sich über das Internet; unterhielten mit Hilfe des Smart-School-Systems Meinungsumfragen innerhalb der Schulgemeinschaft; veröffentlichten ihre Ideen in den Lokalmedien und vereinbarten Gesprächstermine auf Augenhöhe mit den relevanten Fachleuten.

Wir erlernten die Definition von »generativer Frage«, stellten dazu Beispiele aus unserer Arbeitserfahrung mit Schülern vor und tauschten mit unseren Kollegen Feedback aus.

Es faszinierte mich, diesen Lernprozess der Schüler zu beobachten, ihre Neugier, ihre Fähigkeit zuzuhören und selbständig an »Erwachsenenthemen« zu arbeiten. Sie lernten, zu recherchieren, zu erforschen, zuverlässige Informationsquellen zu erschließen und die schwächeren Quellen auszufiltern. Ihre Lernerfahrung ist ein gelebtes Beispiel für folgendes Zitat des Kotzker Rebbe, eines bekannten spirituellen Anführers der chassidischen Bewegung: »Glaube keinem, der sagt: ich habe mich bemüht, jedoch nicht gefunden. Denn allein das Bemühen selbst ist bereits der Fund, ein großer Fund.« Die Schüler gaben sich größte Mühe und fanden Probleme. Sie forschten nach und fanden Lösungen. Und noch viel wichtiger: sie erlernten die Bedeutung eines Forschungsprozesses.

Gegen Ende des Schuljahres beschlossen die Schüler, sich auf zwei Projekte zu fokussieren. Zwei Arbeitsgruppen wurden gebildet. In jeder davon gab es Schüler, die bis zur Verwirklichung des Projekts die Führung übernahmen: durch Schulung, Marketing und Erweiterung der Initiative auf andere Gebiete von Interesse. Beide Projekte werden im Folgejahr umgesetzt.

  1. Kinder erlernen die Grundlagen des häuslichen Finanzmanagements unter Beteiligung der Eltern am Prozess

Ziel dieses Projektes ist, Jugendliche und ihre Familien finanziell zu befähigen − sowohl um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern als auch, um Kinder bereits in jungen Jahren zum richtigen Umgang mit Geld zu erziehen. Das Projekt wird von Studierenden der Fachhochschule für Business Management am College of Management – Academic Studies (COMAS) geleitet und unterrichtet werden, deren Hauptfächer Finanzierung und Buchhaltung sind. Diese ehrenamtlichen Lehrer werden in Zusammenarbeit mit mir selbst als Vertreterin der Schule von Mitgliedern des Lehrkörpers, Dr. Eyal Lahav und Ziv Segal angeleitet.

  1. Schüler erlernen gesunde Ernährungsgewohnheiten werden zu »Gesundheitsbotschafter für jüngere Kinder ausgebildet unter Beteiligung der Eltern am Prozess

Ziel dieses Projektes ist, Jugendlichen und ihren Familien gesunde Ernährungsgewohnheiten beizubringen – zur Förderung ihres Wohlbefindens, ihres Konzentrationsvermögens beim Lernen und besserer schulischer Errungenschaften. Die Schüler werden zunächst selbst zum Thema ausgebildet und dann zu »Gesundheitsbotschaftern« ernannt. Gemeinsam gehen diese Botschafter und ihre Lehrer dann in die jüngeren Klassen und geben dort erlebnisorientierte Unterrichtsstunden. Dieses Projekt wurde mit Hilfe von Liat Yehoshua, Kinderärztin und Ernährungsberaterin für Erwachsene entwickelt. Parallel dazu wird die Schule offiziell zu einer unter Schirmherrschaft des Gesundheitsministeriums stehenden »gesunden Schule« ernannt.

Die Schüler gaben sich größte Mühe und fanden Probleme. Sie forschten nach und fanden Lösungen. Und noch viel wichtiger: sie erlernten die Bedeutung eines Forschungsprozesses.

Die Umsetzung des Ziels von Responsibilty-Israel-2048 und des pädagogischen PBL-Modells hat mir bei meiner Arbeit mit den Kindern in diesem Jahr ein umwerfendes Erfolgsgefühl geschenkt. Indem ich die Schüler unterstützte und von ihnen lernte, konnte ich zugleich auch ihr kreatives Denken ermutigen. Zudem erlebte ich auch jene Befriedigung, die bei der erfolgreichen Entwicklung eines neuen Produkts entsteht, Teamstolz und Freude an den Errungenschaften der Schüler. Ich machte die Erfahrung, dass man alles erreichen kann und habe dieses neue Schuljahr in dem Gefühl begonnen, eine bedeutende Veränderung anzuführen.

Es ist einer der bedeutungsvollen Prozesse, die ich jemals erlebt habe, als Privatperson wie als Lehrerin. Ich empfehle jedem Lehrer und jedem Pädagogen, diese bemächtigende Erfahrung in ihre Lehrmethodik zu integrieren. Sie machen damit einen riesigen Schritt in der Vorbereitung ihrer Schüler auf die Zukunft und auf das Leben. Ich hoffe, dass diese Initiative für Israel zum Flaggschiff eines erneuten gesellschaftlichen Aufschwungs wird.

Danken möchte ich der Leiterin meiner Schule, Michal Zingbaum, für ihr Vertrauen und ihren Glauben an meine Führungsfähigkeiten. Sie schenkte mir uneingeschränkte Unterstützung und das Gefühl, dass einzig der Himmel die Grenze sei − und das ab dem Moment, in dem sie mich mit der Aufgabe betraute, die Projekte dem Bürgermeister vorzustellen.

Weiter möchte ich auch Yaron Jacobs danken. Er hat die Schule im Verlauf des Prozesses mehrmals besucht, um sich mit den Kindern zu treffen und ihnen sein Feedback zu geben, ebenso wie seine Verbesserungs- und Fokussierungsvorschläge für die Projekte anzubringen. Yaron diente als Anker und Fixpunkt für die Kinder, die in ihm eine wichtige Figur sahen und zu denen er eine enge Beziehung aufbaute. Auch für mich selbst war er ein Anker und eine Quelle der Hilfe.

Dieses Jahr haben wir den Weg zur tatsächlichen Verwirklichung der Initiativen an unserer Schule eingeschlagen und arbeiten dabei eng mit der Stadtverwaltung von Rishon LeZyion, COMAS und dem Bildungsministerium zusammen. Ich bin voller Hoffnung, dass diese Projekte sich ausdehnen und auch für andere Schulen bei der Umsetzung ihrer eigenen Initiativen zu Vorbildern werden.

Gerne beantworte ich jede Frage und stehe jedem Interessenten für weitere Informationen zur Verfügung.

 

Ela Gabai

Ela Gabai

Heimlehrerin und Lehrerin für Geschichte und Gemeinschaftskunde am Amirim-Bildungszentrum, Rabin-Gymnasium, Rishon LeZiyon, Israel

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